Diskussionsabend “Einsicht und Zwang – Frisst Sicherheit die Freiheit auf?”

Eine Veranstaltung der Bayerischen Architektenkammer am 17. Februar 2020 im „Forum für Baukultur“

Einsicht und Zwang – Frisst Sicherheit die Freiheit auf?

Erkennen Menschen die Dringlichkeit bestimmter Thematiken von selbst, gelangen sie also von selbst zur Einsicht oder muss diese vielmehr durch Regeln erzwungen werden? Kann Einsicht überhaupt erzwungen werden? Diese Fragen wurden an diesem Abend vor allem in Hinblick auf die aktuelle Klimadebatte geführt. Wie groß der Einfluss der Politik sein soll und darf, wie viel Verantwortung jede*r Einzelne übernehmen soll und muss, ist (nach wie vor) umstritten. Auch wenn sich Podium und Publikum in vielem einig waren, hat das Thema doch für Diskussionsstoff gesorgt.

Die Podiumsgäste waren:

Prof. Friedrich von Borries, Architekt
Etienne Denk, Klimaaktivist, Fridays for Future
Prof. Dr. Hans Förstl, Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Dr. Simone Müller, Rachel Carson Center for Environment and Society
Dr. Marion Schroedter-Homscheidt, Scientists for Future

Die folgende Nacherzählung orientiert sich an den Standpunkten der Sprecher*innen. Ohne dezidiert die einzelnen Positionen zu benennen, soll der Gesamtcharakter des Gesprächs wiedergegeben werden.

Wo beginnt Wandel, wie funktioniert Wandel? Beginnt er in der Gesellschaft, sprechen wir von Einsicht, „unten“ sagt „oben“, wie zu handeln ist. Schaut man dabei auf die Umweltbewegung der 70er-Jahre, so lässt sich auch eine Erfolgsgeschichte der Einsicht zeichnen. PCKW wird verboten, für alle. Beginnt Wandel in der Politik, sprechen wir von Zwang. Doch wessen Einsicht führt bei wem zu Zwang? Und welcher Zwang führt bei wem zu Einsicht?

Vom Handel mit giftigen Abfallstoffen: Es wird eine Ökonomie des Mülls betrieben, Umweltrassismus. Während Gesetze zum Umweltschutz verabschiedet und Entsorgungsstandards festgesetzt werden, wird parallel dazu unser Müll in Länder mit lapseren Regularien exportiert.

In der jungen Generation führen die Umstände, wie wir mit unserem Planeten umgehen, zu Panik und gleichzeitiger Frustration. Fridays for Future spürt den Druck, die Welt retten zu müssen. Die Einsicht führt zu Selbstzwang, Aufgeben moralisch nicht vertretbarer Freiheiten. Freiwillig wird das Recht aufgegeben, klimaschädliche Artikel zu konsumieren und stattdessen auf Nachhaltigkeit zu setzen. Von einer Einsicht der Politik, Zwang auf andere Akteure auszuüben, kann leider nicht gesprochen werden. Wir als Teil der sogenannten westlichen Gesellschaft stehen in der Verantwortung, Verantwortung zu übernehmen. Es ist kein Geheimnis, dass sich unsere Lebensstandards aus einem Gefälle finanzieren, wir leben auf Kosten anderer Gesellschaften. Wirtschaftsnetze und Ausbeutung.

Schreit das alles nach mehr Steuerung und Kontrolle? Plädoyer für mehr Überwachung? Populistisches System oder Freiheit?

Einsicht und Zwang – Es geht darum, die Richtigkeit und Wichtigkeit bestimmter Themen zu erkennen, und spätestens dann drehen wir uns im Kreis. Das Wissen ist da, was fehlt, ist die Einsicht. Die Mehrheit des Podiums fordert Einfachheit, klare Lösungsansätze als Umgang mit der Komplexität. Aufzeigen einfacher Strategien, um Wandel für alle verständlich zu machen. Einer kritisiert, mit einfachen Lösungen der Komplexität nicht gerecht werden zu können. Welche ökologischen Folgen (Zwänge) führen zu Einsicht? Wo führen politische Einschränkungen (Zwänge) zu Freiheit?

Link zu der Veranstaltungsseite: https://www.byak.de/veranstaltungen/oeffentliche-veranstaltungen-der-byak/forum-fuer-baukultur.html

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