Die Natur und ihre politische Instrumentalisierung

In spätindustriellen Gesellschaften ist die Natur – zumindest in ihrer romantischen Version als unberührt, in Ruhe gelassen und friedlich – kaum noch anzutreffen. Längst wurde sie domestiziert. Sie dient zur Produktion von Waren und Lebensmitteln oder – in ihrer Garten- und Parkerscheinung – zur Freizeitgestaltung von Menschen. Selbst auf dem Lande, das fälschlicherweise für die noch existierende Natürlichkeit gelobt wird, herrscht vorwiegend industrielle Landwirtschaft mit Monokulturen auf bemessenen Eigentums¬flächen einzelner Lebensmittelkonzerne. Das Arbeiten mit und an der Natur dient der Selbsterhaltung des Menschen und ist damit wesentlicher Bestandteil seines Lebens.[1]Gattungswesen Mensch nach Karl Marx.[2]Als die Bevölkerung der Welt wuchs und Stämme sich entschlossen, sesshaft zu werden, stieg der Bedarf an Lebensmitteln; so entstand die Landwirtschaft, das wiederholte Aufarbeiten des gleichen Bodens zur Erzeugung von Nahrungsmitteln. Für die frühe Landwirtschaft domestizierten Menschen andere Lebewesen, die auf diese Weise als Arbeitsmittel dienten. Später eigneten sich einzelne Personen (später: die Großgrundbesitzer) Landflächen an, die sie durch Leibeigene bewirtschaften ließen. Die Leibeigenen wurden zu Leibeigenen, als der Grund durch einen Dritten angeeignet wurde, sie blieben auf den Feldern, die sie vorher zum Zwecke der Selbsterhaltung bestellt hatten, und hatten nun zusätzliche Abgaben an den Grundherren zu leisten. Die unfreien Bauern und ihre Familien protestierten gegen diese Knechtung, es kam zu Bauernaufständen, die meist vom Adel (den Besitzenden) selbst niedergeschlagen wurden. Erst als in Frankreich der Adel durch königlich instruierte Reformern verarmte, kam es zur französischen Revolution 1789, in der der König entmachtet werden sollte und die Weisungsgebundenheit der ständischen Gesellschaftsordnung durch die Gleichheit aller Bürger vor dem Gesetze abgelöst wurde. Als Sieger aus diesen Umbrüchen ging eine neue besitzende Klasse hervor: die bürgerliche Klasse. Die weiterhin besitzlosen Bauern zogen aufgrund von Elend und Armut in die Städte und veräußerten freiwillig ihre Arbeitskraft auf dem Markt. Seitdem die Produktion von Lebensmitteln nicht nur der eigenen Selbsterhaltung dient und, als der Tauschhandel durch den Handel von Waren mit Hilfe von Geld als Zirkulationsmittel abgelöst wurde, wurde auch die Natur der neu entstandenen kapitalistischen Produktionsweise untergeordnet. Diese neue Form der Produktion ist effizient und ertragreich, Hunger und Elend wurden durch diese industrielle Form der Produktion abgeschafft. Die Naturgüter stehen den Besitzenden als Produktionsmittel zur Verfügung, welche zuvor durch Arbeit(er) in die Form von Produktionsmitteln ge-bracht wurden. Diese unterschiedlichen Produktionsmittel werden durch menschliche Arbeit zu neuen Waren geformt, die der Kapitalist (der Besitzer der Produktionsmittel) veräußert. Der Mehrwert – das, was der Kapitalist durch diese Art der Produktionsweise als Gewinn abschöpft – entsteht durch die Diskrepanz zwischen Lohnausgaben und Ertrag der Waren.[3]Diesen Unterschied galt es dem Kapitalisten zu vergrößern, er schaffte Produktivkräfte, die den Arbeitern ermöglichten, in weniger bezahlter Arbeitszeit mehr Waren zu produzieren. Diese Produktivkraftentwicklung konnte durch Monopolisierung und der damit verbundenen Bündelung von Produktivkräften verstärkt werden. Die Monopolstellung von einzelnen Unternehmen folgt direkt aus der Mehrwertschaffung, die für die Kapitalakkumulation notwendig ist.
Folglich dient die Natur in der kapitalistischen Produktionsweise als Ressource zur Produktion von Waren, durch deren Veräußerung Kapital akkumuliert wird. Die Menschen sind in ihrer Lebensweise, die durch ihre Tätigkeit bestimmt ist, von der Natur entfremdet. Selbst Wirtschaftssek¬toren, die noch in direktem Kontakt mit der natürlichsten Erscheinung (im Vergleich zu anderen Sektoren) der noch ver-bliebenen Natur sind, die Agrar- und Landwirtschaft, haben durch die Produktivkraft-entwicklung, Monopolstellung und Kapitalinteressen die Natur bei ihrer Produktion nicht mehr im Blick.[4]Einige Belege für die Vernachlässigung der Natur in der sogenannten Urpoduktion sind: Umweltschäden durch Monokultur (vermehrte Brände), Umweltschäden durch den Einsatz von Pestiziden, Massentierhaltung und Einsatz von Antibiotika in der Viehzucht, Bienensterben. Und trotzdem taucht der Naturbegriff in zeitgenössischen, politischen Debatten vermehrt auf, interessanterweise immer dann, wenn die Produktionsweise kritisiert wird, da sie die Ordnung der Gesellschaft bestimmt und somit jegliche Herrschaftsverhältnisse mit ihr verbunden sind. Folgende zwei Beispiele erläutern dieses Phänomen: die Weiblichkeit und ihre natürliche Konstitution in Fragen der Geschlechterverhältnisse und der Bezug auf die natürlichen Eigenschaften des Menschen in Klassenfragen.

Weiblichkeit und ihre natürliche Konstitution in Fragen der Geschlechterverhältnisse

Frauen werden in Deutschland diskriminiert, unterdrückt und ausgebeutet. Sie leisten unentgeltliche Carearbeit, schlechter bezahlte Lohnarbeit[5]Vgl.: https://www.destatis.de/DE/Themen/Arbeit/Arbeitsmarkt/Qualitaet-Arbeit/Dimension-1/gender-pay-gap.html und sind tagtäglich Gewalt, insbesondere sexualisierter Gewalt, ausgesetzt.[6]Vgl.: http://www.onebillionrising.de/femizid-opfer-meldungen-2019/ Letzter Zugriff am 18.04.2020[7]„Im Jahr 2018 wurden unter den modifizierten Straftaten(-gruppen) Mord und Totschlag, Körperverletzungen, sexueller Übergriff, sexuelle Nötigung, Vergewaltigung, Bedrohung, Stalking, Nötigung, Freiheitsberaubung, Zuhälterei und Zwangsprostitution insgesamt 140.755 Opfer von vollendeten und versuchten Delikten der Partnerschaftsgewalt erfasst.“ Vgl.: https://www.bka.de/SharedDocs/Downloads/DE/Publikationen/JahresberichteUndLagebilder/Partnerschaftsgewalt/Partnerschaftsgewalt_2018.html Letzter Zugriff am 18.04.2020 Seitdem dieser Missstand als gesellschaftliches Phänomen erkannt wurde, als Frauen aus der Vereinzelung austraten und sich zusammenschlossen, kämpfen sie im Kollektiv für die Befreiung der Frauen. Im Laufe der Jahre entwickelten sich unterschiedliche Strömungen, die sich gegenseitig reformierten und sich voneinander abgrenzten. Zu diesem Zeitpunkt kann zwischen bürgerlichem Feminismus, der die Gleichstellung und die Partizipation der Frauen an den bestehenden Verhältnissen fordert[8]Diese Bewegung knüpft an die bürgerlichen Anfänge der Frauenbewegung an, die privilegiert, weiß und westlich war und im Zuge der bürgerlichen Revolutionen in Europa entstanden ist, in der die bürgerliche Klasse Werte wie Gleichheit und Brüderlichkeit als Grundrechte aller Bürger manifestierte., und revolutionärem Feminismus, deren Vertreterinnen erkannt haben, dass die Geschlechterverhältnisse (und damit die Marginalisierung der Frauen) in die bestehenden Verhältnisse eingearbeitet worden sind und diesen gleichzeitig entspringen, unterschieden werden. Argumente gegen die Gleichstellung bürgerlicher Manier basieren auf der Behauptung ungleicher natürlicher Voraussetzungen von Mann und Frau, die die Schlechterstellung der Frau legitimieren sollen. Das Kinderkriegen ist in der bürgerlichen Gesellschaft tatsächlich eine Schwäche, da die Arbeitskraft der Frau durch die Geburt und die Kinderversorgung stark eingeschränkt wird. Diesem Umstand begegnen bürgerliche Feministinnen mit dem Modell der Powerfrau, die neben dem Austragen der Kinder lohnarbeitet und den Haushalt und die Kinder versorgt. Revolutionäre Feministinnen, die weder die Aufrechterhaltung der biologistischen Argumente noch deren Zurückweisung durch vermehrte Selbstknechtung vertreten, nutzen den Widerspruch zwischen den natürlichen Voraussetzungen und den bestehenden Verhältnissen (in denen das Kinderkriegen zur Last wird), um zu fordern, dass die bestehende Ordnung, die diesen Widerspruch hervorbringt, an sich umgeworfen werden sollte. Somit wird das Argument gegen die Inklusion der Frauen[9]Im Folgenden wird der Begriff Frau im Rahmen des bürgerlichen Verständnisses von Frau verwendet, da ebendieses Verständnis kritisiert wird. in die bestehende Ordnung durch ihre natürlichen Voraussetzungen ad absurdum geführt. Nicht die Frau ist fehlerhaft, sondern die bestehenden Verhältnisse, in denen die Produktion des Lebens an den Rand gedrängt wird, und mit ihnen die Frauen, die aufgrund ihrer natürlichen Voraussetzungen dafür zuständig seien. Die Produktion des Lebens wird im Kapitalismus der Produktion der Lebensmittel und Waren untergeordnet. Durch die Kapitalakkumulation wurde der Zweck der kapitalistischen Produktionsweise, die Erhaltung und Produktion des Lebens, zum Mittel des neuen Zwecks: die Kapitalakkumulation (Mehrwertschaffung durch die Produktion von Waren und Lebensmitteln). Die Natur, die Reproduktion des Menschen als natürliche Voraussetzung der Gesellschaft an sich (zusammengefasst in der Produktion des Lebens), wird der Frau und ihrem Körper zugeschrieben und der Kapitalakkumulation untergeordnet. Paradoxerweise dienen die biologistischen Behauptungen und der darin enthaltene Bezug zur Natur der Verschleierung dieses Umstands. Die Problematik der Entfremdung von der Natur (Produktion des Lebens) und die Umkehrung von Mittel und Zweck durch die kapitalistische Produktionsweise werden reduziert auf die natürlichen Eigenschaften der Körper der Frauen und münden in ihre Marginalisierung und doppelte Knechtung. Statt den durch die Produktionsweise entstandenen Widerspruch zwischen Produktion von Leben und Lebensmittel durch eine andere Art der Produktion aufzulösen, wird dieser zu Lasten der Frauen, die aufgrund ihres Körpers dafür verantwortlich gemacht werden, im Widerspruch zwischen Mann und Frau durch die geschlechterspezifische Arbeitsteilung fortgeführt.[10]Diese geschlechterspezifische Arbeitsteilung entspringt der kapitalistischen Produktionsweise, die auf der Arbeitsteilung basiert.

Natürliche Eigenschaften des Menschen in Klassenfragen

In einer durch die kapitalistische Produktionsweise geordneten Gesellschaft existieren Klassenverhältnisse. Die Klasse der Besitzenden einerseits und die Klasse der Besitzlosen andererseits sowie schwächere Erscheinungen dieser Gegenüberstellung, die erst in der Krise in die besitzlose Klasse übergehen (beispielsweise das Kleinbürgertum). Aufgrund des Besitzes von Produktionsmitteln herrscht die bürgerliche Klasse über den Arbeitern, die durch ihre Besitzlosigkeit ihre Arbeitskraft veräußern. Diese Arbeitskraft wird vom Kapitalisten neben dem Erwerb (weiterer) Produktionsmittel eingekauft, der Kapitalist stellt dem Arbeiter Produktionsmittel und Produktivkräfte zur Verfügung und bezahlt dem Arbeiter einen Lohn. Dieser Lohn wird danach bemessen, wie viel Geld der Arbeiter braucht, um sich (und seine Familie) reproduzieren zu können (im Rahmen der in der Gesellschaft herrschenden Bedürfnisse), um am nächsten Tag wieder arbeiten zu können. Im Arbeitsprozess wird durch den Arbeiter die Form der Produktionsmittel verändert, es entstehen Waren, die der Kapitalist veräußert.[11]Vgl.: Karl Marx: Das Kapital, Band 1, Kapitel 4, Abschnitt 3: Kauf und Verkauf der Arbeitskraft. Das Interesse des Kapitalisten ist die Kapitalakkumulation, in der Produktion muss Mehrwert entstehen, den er in Form von Kapital anhäufen kann, d.h. er muss mehr einnehmen, als er für die Produktionsmittel und Löhne ausgegeben hat. Der Kapitalist kann die Ware allerdings nicht zu einem beliebigen Preis veräußern, da dieses Vorgehen ihm selber auf die Füße fallen würde. Die Waren werden an die Klasse der Arbeiter verkauft – wenn man sie teuer veräußert, muss dem Lohnarbeiter zur Selbsterhaltung mehr Lohn gezahlt werden.[12]Vgl.: Karl Marx: Das Kapital Band 1, Kapitel 4, Abschnitt 2: Widersprüche der allgemeinen Formel.[13]An dieser Stelle wird in der bürgerlichen Ökonomie auf die Konkurrenz als Preisregulation von außen hingewiesen. In der Vorstellung einer herrschenden Konkurrenz im Kapitalismus produzieren unterschiedliche Unternehmen ähnliche Waren; damit ihre Waren trotzdem konsumiert werden, müssen sie ihre Preise so gering halten, dass sie mit den Preisen der anderen Unternehmen mithalten können oder im besten Fall ihre Preise geringer ausfallen als die des Konkurrenzunternehmens. In der Praxis des Kapitalismus wird dieser Anspruch nicht erfüllt. Durch das Wesen des angehäuften Kapitals haben erfolgreiche Unternehmen die Möglichkeit, zukünftige und bestehende Konkurrenten aufzukaufen. Andere Übereinkünfte, Kartelle und Staatenbünde sind weitere Mechanismen, die angewandt werden, um der Preissenkung durch das Konkurrenzverhältnis entgegenzuwirken. Krisen und Kriege werden ebenfalls genutzt, um sich in die Unternehmen und Staaten anderer Länder einzukaufen. Durch diese Zusammenschlüsse und sogenannte Investitionen entstehen Monopole. Diesen Monopolkapitalismus nannte Lenin schon um 1900 Imperialismus. Mit Blick auf die herrschenden Staatenbündnisse (beispielsweise die Europäische Union) und die wenigen Konzerne, die in unterschiedlichen Wirtschaftssektoren global Monopolstellung erlangt haben, lässt sich die Analyse Lenins bestätigen.
Vgl.: W. I. Lenin: Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, Kapitel 10: Der Platz des Imperialismus in der Geschichte.
An einer anderen Stelle im Produktionsprozess gibt es die Möglichkeit für den Kapitalisten, Gewinn zu generieren: Weil er dem Arbeiter nicht den Mehrwert ausbezahlt, den dieser durch seine Arbeit schafft, sondern dem Arbeiter nur so viel zahlt, wie dieser zur Erhaltung seiner Arbeitskraft benötigt, behält der Kapitalist diesen Mehrwert durch die Veräußerung der Ware in Form von Kapital. Eine weitere Stelle, an der der Kapitalist schrauben kann, ist die Produktivkraftentwicklung: Je effizienter der Arbeiter die Waren produziert, desto weniger Arbeitszeit muss entlohnt werden. In diesem kurzen Einblick in das Klassenverhältnis, das durch die kapitalistische Produktionsweise entsteht, spielt die Natur des Menschen eine untergeordnete Rolle. Nicht die natürlichen Eigenschaften des Bourgeois machen ihn zum Kapitalisten, sondern seine Verfügung über die Produktionsmittel, sein Besitz. Interessanterweise gibt es bei Marx einige Stellen, in denen der Kapitalist als gierig beschrieben wird, doch ergibt sich die Gier des Menschen aus der Kapitallogik und weniger aus dem Wesen desselben. Der Kapitalist ist gierig, weil er den Gewinn im Blick hat, während er die Löhne der Lohnarbeiter auf ihr Minimum reduziert. Es liegt also im Wesen des Kapitalisten, gierig und geizig zu sein, weil nur so sein Interesse erfüllt werden kann: die Kapitalakkumulation.[14]Vgl.: Karl Marx: Das Kapital Band 1, Kapitel 3, Abschnitt 3 a) Schatzbildung.[15]Vgl.: Karl Marx: Das Kapital Band 1, Kapitel 4, Abschnitt 1: Die allgemeine Formel des Kapitals. Dieser Gier als natürlicher Eigenschaft des Menschen begegnet man häufig, wenn man das Klassenverhältnis problematisiert. Andere Gesellschaftsordnungen würden an dieser und an anderen natürlichen Eigenschaften des Menschen scheitern. Die Laster des Kapitalisten werden zu natürlichen Eigenschaften erklärt und damit der Kapitalismus als das passende System, der Natur des Menschen folgend, deklariert. Der Hinweis auf die proletarische Klasse der Besitzlosen und ihrer damit verbundenen Marginalisierung und Prekarisierung wird entweder damit entgegnet, dass sich diese Menschen als Kapitalisten ebenso gierig verhalten würden wie die jetzigen Gierigen, oder es wird behauptet, dass diese aufgrund ihrer Natur zu faul, zu schwach oder zu unfähig seien, um Kapitalisten zu sein. Die erste Entgegnung tarnt sich als natürliche Erscheinung des Gleichheitsprinzips der Menschen allerdings in ihrer negativen Form, die über die ungleichen Realitäten der Menschen gestülpt wird. Alle Menschen sind demnach gleich (schlecht), darin werden bestehende Herrschaftsverhältnisse unter der Natur des Menschen mystifiziert und jeglicher emanzipatorischer Kritik unzugänglich gemacht. Die zweite Entgegnung bedient sich der gleichen Verdrehung, wie sie weiter oben in der Frage der Geschlechterverhältnisse aufgezeigt wurde. Die Unterordnung der proletarischen Klasse wird durch die Unzulänglichkeit der natürlichen Eigenschaften des Arbeiters legitimiert und die Ebene der tatsächlichen Verhältnisse in der Ebene einer konstruierten Natur („survival of the fittest“) mystifiziert. Es wird sich wiederum an irgendwelchen subjektiven, natürlichen Eigenschaften und deren Unzulänglichkeiten für die bestehende Ordnung abgearbeitet, statt die bestehende Ordnung (das Klassenverhältnis und der darin enthaltene besitzlose Arbeiter)[16] Der Arbeiter kann nicht deswegen nicht Kapitalist werden, weil er zu untalentiert dafür ist und seine Natur dagegenspricht, sondern weil er keine Produktionsmittel hat, über die er verfügt. Er kann also tatsächlich kein Kapitalist werden, aber aufgrund von materiellen Voraussetzungen und nicht aufgrund seiner natürlichen Eigenschaften. und die aus ihrer Natur entspringenden Herrschaftsverhältnisse tatsächlich zu problematisieren und zu bekämpfen. In diesen Umkehrungen und Naturspinnereien wird implizit auf eine unterstellte Schuldfrage reagiert, die nicht geäußert wurde. Weiter wird die Schuldfrage nicht tatsächlich beantwortet, sie wird einer höheren Macht zugeschrieben: der Natur des Menschen. Diese höhere Macht verwischt die tatsächlich existierenden Herrschaftsverhältnisse und führt die Kritik an den tatsächlichen Verhältnissen ad absurdum, da der Kritiker der Allmacht der Natur nun ohnmächtig gegenübersteht.

Zurück zum Naturbegriff

Die romantische Vorstellung der Natur und ihrer geheimnisvollen Schönheit trösten in einer Welt, die schnelllebig und stressig ist. In einer Welt, deren globale Herrschaftsverhältnisse sich durch ideologische Verschleierung und Verschiebungen erhalten, wird resultierend aus der Ohnmacht auf eine andere Macht gesetzt: auf die Macht der Natur. Sie hat den religiösen Glauben an einen allmächtigen Gott und an das Schicksal durch die Aufklärung und das gleichzeitige Entstehen von Naturwissenschaften abgelöst. In ihr liegt nun der wahre Kern des Lebens, die Erklärungen aller Um- und Missstände. Im Unterschied zum religiösen Glauben ist der Naturfetisch durch seinen verlängerten Arm, die Wissenschaft, die kritisch, zweifelnd und grenzenlos erscheint, eingebettet in Rationalität. Dieser Umstand erschwert die Kritik an den Naturwissenschaften und ihren biologistischen Auswüchsen. Sie sind wesentlicher Teil des politischen Verständnisses von Gesellschaftszusammenhängen und lassen kaum Platz für emanzipatorische Kritik, die über diese bestehenden Verhältnisse hinausragt. Weil alle Wissenschaften (auch die Naturwissenschaften!) in ihren Kategorien, Forschungen und Ergebnissen an die Grenze der Erhaltung der bestehenden Verhältnisse gebunden sind, entsteht emanzipatorische Kritik nur außerhalb dieses Zwangs. So sind die Behauptungen, dass Frauen durch ihre natürlichen Voraussetzungen nicht fair entlohnt werden können und nicht alle Menschen fähig sind reich zu werden ebenso richtig wie falsch. In der Bewertung subjektiver natürlicher Eigenschaften liegt aber keine Erkenntnis. Sie dient lediglich der Legitimation und Erhaltung der Herrschaftsverhältnisse. Um die bestehende Ordnung tatsächlich fassen zu können, müssen ebendiese Herrschaftsverhältnisse in den Fokus der Kritik genommen werden. Nur auf diese Weise können die Grenzen der Erhaltung des Bestehenden aufgebrochen werden, womit der Blick eröffnet wird auf eine grundlegend andere, eine bessere Gesellschaftsordnung.

Referenzen

Gattungswesen Mensch nach Karl Marx.
Als die Bevölkerung der Welt wuchs und Stämme sich entschlossen, sesshaft zu werden, stieg der Bedarf an Lebensmitteln; so entstand die Landwirtschaft, das wiederholte Aufarbeiten des gleichen Bodens zur Erzeugung von Nahrungsmitteln. Für die frühe Landwirtschaft domestizierten Menschen andere Lebewesen, die auf diese Weise als Arbeitsmittel dienten. Später eigneten sich einzelne Personen (später: die Großgrundbesitzer) Landflächen an, die sie durch Leibeigene bewirtschaften ließen. Die Leibeigenen wurden zu Leibeigenen, als der Grund durch einen Dritten angeeignet wurde, sie blieben auf den Feldern, die sie vorher zum Zwecke der Selbsterhaltung bestellt hatten, und hatten nun zusätzliche Abgaben an den Grundherren zu leisten. Die unfreien Bauern und ihre Familien protestierten gegen diese Knechtung, es kam zu Bauernaufständen, die meist vom Adel (den Besitzenden) selbst niedergeschlagen wurden. Erst als in Frankreich der Adel durch königlich instruierte Reformern verarmte, kam es zur französischen Revolution 1789, in der der König entmachtet werden sollte und die Weisungsgebundenheit der ständischen Gesellschaftsordnung durch die Gleichheit aller Bürger vor dem Gesetze abgelöst wurde. Als Sieger aus diesen Umbrüchen ging eine neue besitzende Klasse hervor: die bürgerliche Klasse. Die weiterhin besitzlosen Bauern zogen aufgrund von Elend und Armut in die Städte und veräußerten freiwillig ihre Arbeitskraft auf dem Markt.
Diesen Unterschied galt es dem Kapitalisten zu vergrößern, er schaffte Produktivkräfte, die den Arbeitern ermöglichten, in weniger bezahlter Arbeitszeit mehr Waren zu produzieren. Diese Produktivkraftentwicklung konnte durch Monopolisierung und der damit verbundenen Bündelung von Produktivkräften verstärkt werden. Die Monopolstellung von einzelnen Unternehmen folgt direkt aus der Mehrwertschaffung, die für die Kapitalakkumulation notwendig ist.
Einige Belege für die Vernachlässigung der Natur in der sogenannten Urpoduktion sind: Umweltschäden durch Monokultur (vermehrte Brände), Umweltschäden durch den Einsatz von Pestiziden, Massentierhaltung und Einsatz von Antibiotika in der Viehzucht, Bienensterben.
Vgl.: https://www.destatis.de/DE/Themen/Arbeit/Arbeitsmarkt/Qualitaet-Arbeit/Dimension-1/gender-pay-gap.html
Vgl.: http://www.onebillionrising.de/femizid-opfer-meldungen-2019/ Letzter Zugriff am 18.04.2020
„Im Jahr 2018 wurden unter den modifizierten Straftaten(-gruppen) Mord und Totschlag, Körperverletzungen, sexueller Übergriff, sexuelle Nötigung, Vergewaltigung, Bedrohung, Stalking, Nötigung, Freiheitsberaubung, Zuhälterei und Zwangsprostitution insgesamt 140.755 Opfer von vollendeten und versuchten Delikten der Partnerschaftsgewalt erfasst.“ Vgl.: https://www.bka.de/SharedDocs/Downloads/DE/Publikationen/JahresberichteUndLagebilder/Partnerschaftsgewalt/Partnerschaftsgewalt_2018.html Letzter Zugriff am 18.04.2020
Diese Bewegung knüpft an die bürgerlichen Anfänge der Frauenbewegung an, die privilegiert, weiß und westlich war und im Zuge der bürgerlichen Revolutionen in Europa entstanden ist, in der die bürgerliche Klasse Werte wie Gleichheit und Brüderlichkeit als Grundrechte aller Bürger manifestierte.
Im Folgenden wird der Begriff Frau im Rahmen des bürgerlichen Verständnisses von Frau verwendet, da ebendieses Verständnis kritisiert wird.
Diese geschlechterspezifische Arbeitsteilung entspringt der kapitalistischen Produktionsweise, die auf der Arbeitsteilung basiert.
Vgl.: Karl Marx: Das Kapital, Band 1, Kapitel 4, Abschnitt 3: Kauf und Verkauf der Arbeitskraft.
Vgl.: Karl Marx: Das Kapital Band 1, Kapitel 4, Abschnitt 2: Widersprüche der allgemeinen Formel.
An dieser Stelle wird in der bürgerlichen Ökonomie auf die Konkurrenz als Preisregulation von außen hingewiesen. In der Vorstellung einer herrschenden Konkurrenz im Kapitalismus produzieren unterschiedliche Unternehmen ähnliche Waren; damit ihre Waren trotzdem konsumiert werden, müssen sie ihre Preise so gering halten, dass sie mit den Preisen der anderen Unternehmen mithalten können oder im besten Fall ihre Preise geringer ausfallen als die des Konkurrenzunternehmens. In der Praxis des Kapitalismus wird dieser Anspruch nicht erfüllt. Durch das Wesen des angehäuften Kapitals haben erfolgreiche Unternehmen die Möglichkeit, zukünftige und bestehende Konkurrenten aufzukaufen. Andere Übereinkünfte, Kartelle und Staatenbünde sind weitere Mechanismen, die angewandt werden, um der Preissenkung durch das Konkurrenzverhältnis entgegenzuwirken. Krisen und Kriege werden ebenfalls genutzt, um sich in die Unternehmen und Staaten anderer Länder einzukaufen. Durch diese Zusammenschlüsse und sogenannte Investitionen entstehen Monopole. Diesen Monopolkapitalismus nannte Lenin schon um 1900 Imperialismus. Mit Blick auf die herrschenden Staatenbündnisse (beispielsweise die Europäische Union) und die wenigen Konzerne, die in unterschiedlichen Wirtschaftssektoren global Monopolstellung erlangt haben, lässt sich die Analyse Lenins bestätigen.
Vgl.: W. I. Lenin: Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, Kapitel 10: Der Platz des Imperialismus in der Geschichte.
Vgl.: Karl Marx: Das Kapital Band 1, Kapitel 3, Abschnitt 3 a) Schatzbildung.
Vgl.: Karl Marx: Das Kapital Band 1, Kapitel 4, Abschnitt 1: Die allgemeine Formel des Kapitals.
Der Arbeiter kann nicht deswegen nicht Kapitalist werden, weil er zu untalentiert dafür ist und seine Natur dagegenspricht, sondern weil er keine Produktionsmittel hat, über die er verfügt. Er kann also tatsächlich kein Kapitalist werden, aber aufgrund von materiellen Voraussetzungen und nicht aufgrund seiner natürlichen Eigenschaften.

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