Grenzgänger

Schritt um Schritt, einen Fuß vor den anderen setzend, bewege ich mich
vorsichtig auf dem schmalen Grat.
Schwarz und weiß,
Hell und dunkel.
Ich spüre die Luft über die Haut streichen. Es kostet Kraft.
Ich folge der kaum sichtbaren Linie.
Links und rechts,
Hin und her.
Weiter folge ich jener Grenze, die sich vor mir erstreckt.
Es ist unklar wohin mich mein Weg führt.
Niemand hat je sein Ende erblickt, das Ziel erreicht.
Anstrengend.
Ein Windzug. Ich kann nicht sagen von wo.
Schön und hässlich,
Strahlend und matt.
Schritt um Schritt, ein Fuß vor den anderen.
Ein Sturm zieht auf. Ich wandle weiter zwischen den Welten.
Die Sonne brennt auf der Haut,
die Kälte zieht bis in die Knochen.
Es ist ein Kampf, fordert Kraft.
Einsam und selbstständig,
Verantwortungslos, zwanglos.
Mein Weg wird steiniger mit jedem Tritt.
Niemand hat je das Ziel erreicht.
Ausgetrocknet und durchnässt,
Träge, zitternd.
Ich bin zwischen den Kräften hin- und hergerissen.
Doch noch bleibe ich standhaft.
Ordnung und Chaos,
Determinismus und Freiheit.
Werde ich verlieren? Ich weigere mich.
Die Seiten stehen in ewigem Krieg.
Keiner darf siegen. Ob nun das Licht uns blendet
oder die Dunkelheit uns in Finsternis ertränkt.
Es darf nicht geschehen. Oder?
Noch nie ist es gelungen. Niemand hat das Ende gesehen.
Schritt um Schritt.
Soll ich diesem Weg wirklich folgen? Was wäre die Konsequenz?
Ich fühle mich klein. Ein Spielball zwischen den Mächten.
Ich verliere die Spur…
Niemand hat je das Ziel erreicht.